Der frühere Bürgermeister Ernst Theo Jung sagt: „Vum aale Bersch aus kam er uuh klaare Daache bes uff de Montabaurer Höh seij, en uff alle Fäll bes nom Höhner Wasserturm.“
Das Dorf Waigandshain liegt auf dem Hohen Westerwald, südwestlich unterhalb der Fuchskaute, zwischen den Dörfern Nister-Möhrendorf, Homberg, Emmerichenhain und Zehnhausen.
Östlich der Gemeinde erhebt sich der Homberg (635,3m), westlich der Zellgerberg (550,2m), nord-östlich der Salzstein (574m) und darüber der Altenberg (652m). Auf diesem steht seit 2024 ein imposantes Gipfelkreuz, errichtet von mehreren Dorfbewohnern. Den Alsberg (612,6 m), im Südwesten oberhalb der B255, teilt Waigandshain sich mit den Gemarkungen Rehe und Rennerod. Das Dorf selbst liegt etwa 530 m ü. NHN und verfügt über eine Gesamtfläche von 4,04 km².
Im Ortsgebiet von Waigandshain liegt die Breitenbachtalsperre, im Westen passiert die hier noch jungfräuliche Große Nister das Dörfchen [nächster Teil].
Waigandshain liegt an keiner Hauptverkehrsstraße, ist aber in einem Dreieck eingerahmt von der B255 (Marburg – Montabaur), der B54 (Gronau (Niederlande) – Wiesbaden) und der B414 (Altenkirchen – Driedorf), den ‚Nachkömmlingen' der alten Heeres- und Handelsstraßen [Teil 2].
Waigandshain gehört zum Bundesland Rheinland-Pfalz, zum Landkreis Westerwald und ist verwaltungsmäßig der Verbandsgemeinde Rennerod zugeordnet. Die überwiegend evangelische Bevölkerung ist Teil des Kirchspiels Emmerichenhain. Ein großer Teil gehört der evangelisch freikirchlichen Gemeinde Waigandshain (FeG) an und nur einige wenige Einwohner sind katholischen oder anderen Glaubens. Das Dorf wird von einem Gemeinderat, bestehend aus sechs, von den Dorfbewohnern gewählten Ratsmitgliedern und dem Ortsbürgermeister Jürgen Höppner geführt und verwaltet.[1]
Seit 1990 führt Waigandshain ein eigenes Wappen. Der Entwurf stammt von dem Heraldiker Manfred Limbach aus Gemünden und wurde vom damaligen Regierungspräsidenten Dr. Theo Zwanziger genehmigt. Das Ortswappen enthält verschiedene Symbole. Heraldische Beschreibung und Begründung: „Spätgotischer Rundschild, über blauem Wellenschildfuß darin ein goldenes Doppeljoch was die landwirtschaftliche Prägung Waigandshains darstellt. Vorne in Rot ein goldenes Glockentürmchen mit drei Schallfenstern. Hinten in Gold ein grüner Zweig mit vier grünen Eichenblättern und drei grünen Eicheln.“[2] Die vier Eichenblätter stehen für die Wüstungen Breitenbach, Waldhausen, Winterem und Zahlbach, die drei Eicheln für die höchsten Erhebungen in der Gemarkung (Alsberg, Altenberg, Homberg). Das Doppeljoch weist auf die jahrhundertelange landwirtschaftliche Ausrichtung des Ortes hin und die Farben Blau und Gold auf die lange Zugehörigkeit zum Haus Nassau. Das Glockentürmchen stellt den Dachreiter der ehemaligen Schule (erbaut 1752) dar. Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus ist zu einem Wahrzeichen des Ortes geworden. Auf die Breitenbachtalsperre schließlich weist der blaue Wellenschildfuss hin.[3]
Seit seiner erstmals verbrieften Erwähnung im Jahr 1346 [s. Teil 1] tauchen in späteren Dokumenten recht unterschiedliche Schreibweisen des Ortsnamens auf. Die verschiedenen Schreibweisen rühren daher, dass sich die Verfasser der Dokumente früher eher an dem Wortklang als an der gängigen Schriftsprache orientierten.[4] Von den zahlreichen Schreibvarianten hat Peter Jung einige herausgegriffen: 1422 Wyganczhen, 1511 Wyhelsshaen, 1532 Wigandshan, 1566 Weigantshan, 1584 Weygenshain, 1614 Weygendtshan, 1641 Weigetshähn, 1654 Weyentshayin, 1700 Weigentshan, 1738 Weygandshayn, 1744 Weygantzahyn, ab 1795 in der heutigen Fassung Waigandshain.[5]
Als Namensgeber stand dem Ort möglicherweise ein Wigand oder Weigand Pate, der vielleicht ein Angehöriger des niederen Adels oder ein freier Bauer war. ‚Bei der Wahl des Siedlungsortes ging der Gründer mit Bedacht zu Werke. Der Platz liegt gegen rauhe Nordostwinde geschützt am Hang einer Mulde. Auf der Ostseite erhebt sich vor dem Dorfe der 635 m hohe Homberg, der gleichfalls Windschutz bietet. Als weitere Voraussetzungen waren Quellen und Wasserläufe in genügender Anzahl vorhanden, wobei die Hanglage eine Überschwemmungsgefahr ausschloss. Ein weiterer Vorzug lag in der relativen Nähe zum älteren Kirchspielszentrum Emmerichenhain. Das ursprünglich einzelne Gehöft oder die kleine Gehöftgruppe des Waigand entwickelte sich in etwa 200 Jahren zu einem Haufendorf mit recht großer Gewannflur, wobei die Größe durch die Zusiedlung aus den 4 ausgegangenen Dörfern der unmittelbaren Nachbarschaft anwuchs‘ [siehe Teil 2].[6] ‚Die Endsilbe -hain weist darauf hin, daß die erste Siedlung als umhegte, befestigte und bedingt wehrhafte Anlage angelegt wurde. Man vermutet, daß diese Kleinsiedlungen allgemein durch einen Zaun mit Haingraben umgeben waren. Die Einfriedung mit dem Flurnamen “Infang“ sei ein Schutz gegen wilde Tiere, vor allem gegen die zahlreichen Wölfe gewesen. In der Gemarkung Waigandshain gibt es sowohl den Flurnamen “Infang“ als auch eine Hecke (Ottschhe); außerdem könnte auch die Bezeichnung „Mauer“ (Waindshaar-Mauer/Zellger-Mauer) auf eine ursprüngliche Befestigungsanlage hinweisen. Ganz sicher hat aber der in der nördlichen Gemarkung befindliche Walddistirkt „Wehrholz“ -ehemals bei Waldhausen liegend- eine Schutz- und Abgrenzungsfunktion besessen‘.[7] Schutzvorrichtungen um Dörfer waren auf dem Westerwald keine Seltenheit. Mit Hecken, Gräben, Zäunen, Mauern versuchte man sich vor unerwünschten Eindringlingen und Wild zu schützen und andererseits freilaufendes Nutzvieh innerhalb des Dorfes zu halten. Noch 1782 hatte der Renneroder Amtmann bei Visitationen der Dörfer darauf hinzuwirken, dass diese sich mit trockenen Mauern zu schließen und dazu große Steine aus Feld und Wiesen zu gebrauchen hätten.[8]
(Fortsetzung folgt)
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Waigandshain
[2] Peter Jung, Festschrift: 650 Jahre Waigandshain, Bad Ems 1996, S.9
[3] Peter Jung, a.a.O., S.9 und Westerwälder Zeitung Nr. 166, 20.7.1990
[4] Heimatbuch Ennerich, Ennerich, 1989, S.38
[5] Peter Jung, a.a.O., S.9
[6] Peter Jung, a.a.O., S. 11
[7] Peter Jung, a.a.O., S. 11
[8] Ortwin Hommel, Oberroßbach – Erlebte Geschichte, Mainz, 2000, S. 60f